Feuerwehr-Projekt für mehr Einsatzkräfte am Tag

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Fernwald (jsp). Die Freiwillige Feuerwehr Annerod möchte die Tageseinsatzbereitschaft stärken. Tagsüber sind andernorts berufstätige Anneröder Einsatzkräfte im Notfall nicht unbedingt verfügbar. Mit einem Projekt im Rahmen des Wettbewerbs »Feuerwehr der Zukunft« möchten die Verantwortlichen eine Alternative schaffen.

Am Freitag stellte die örtliche Wehr im Seniorenzentrum vor, was sie sich ausgedacht hat: Unter dem Titel »Tagesfeuerwehr Annerod« geht es um das Miteinander mit Firmen, die in dem Fernwalder Ortsteil ansässig sind.

Die Anzahl der tagsüber im Dorf einsatzbereiten Feuerwehrkräfte ist gravierend niedrig: Zur Bewältigung der etwa 40 Einsätze pro Jahr stehen rund 50 Mitglieder bereit. Jedoch reduziert sich diese Zahl zu normalen Arbeitszeiten von 7 bis 17 Uhr auf nur etwa fünf bis zehn. Grund hierfür ist, dass die Mehrheit der aktiven Feuerwehrmitglieder ihren Arbeitsplatz nicht vor Ort haben. Folglich können die Kräfte bei einem Tageseinsatz nicht rechtzeitig an Ort und Stelle sein oder erst gar nicht alarmiert werden.

Brandschutzübungen der Feuerwehr werden von Betrieben gefordert, doch wie ist dies mit der geringen Anzahl an Tages-Einsatzkräften realisierbar? »Die Feuerwehr und die örtlichen Betriebe müssen hier Hand in Hand gehen«, betonte Wehrführer Tobias Hennemuth am Freitag. Mit dem nun präsentierten Projekt sollen bereits aktive Feuerwehrmitglieder aus anderen Orten, die in Anneröder Firmen arbeiten, gewonnen werden. Man erhofft sich dadurch, die Zahl der Tageseinsatzkräfte in etwa verdoppeln zu können. Seit Juli steht das Projekt in den Startlöchern, und im September begann die gezielte Ansprache der örtlichen Firmen. Im Januar soll mit der Ausbildung begonnen werden. In einer zweistündigen Übung pro Monat sollen die neu gewonnenen Aktiven mit der Anneröder Technik und den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht werden. Katharina Burger, Direktorin des Seniorenzentrums, äußerte sich positiv über das Projekt. Sie werde nun prüfen, ob es aktive Feuerwehrleute unter ihren Arbeitnehmern gebe. Die erste Projektvorstellung in einer Firma ergab schon positive Resonanz, und es wird bereits mit vier zusätzlichen Einsatzkräften gerechnet. Acht weitere Termine bei den größten Betrieben in Annerod sind geplant. »Leider finden wir nicht immer Gehör für unser Anliegen, dabei stellt unser Projekt eine einmalige Win-Win-Situation her«, erläuterte Hennemuth. Jeder Unternehmer sei rechtlich dazu verpflichtet, Mitarbeiter einmal jährlich im Brandschutz zu unterweisen. Seit Februar schreibe der Gesetzgeber mit der Einführung der Arbeitsstättenrichtlinie erstmals vor, dass fünf Prozent der Mitarbeiter vor Ort über das normale Maß der Brandschutzunterweisung hinaus ausgebildet sein müssen. »Vielen Betrieben ist diese Neuerung nicht bewusst«, sagte Gruppenführer Sascha Mannke.

»Gemeinnütziges Engagement«

»Hier bieten wir – im Gegenzug zur Freistellung der Mitarbeiter für die Tagesfeuerwehr – Hilfe und Bereitstellung der nötigen Schulungsunterlagen für die Brandschutzhelferausbildung an«, ergänzte Hennemuth.

Es werde keine Wettbewerbsverzerrung geben, da der Betrieb nach der Hilfestellung durch die Anneröder Feuerwehr intern selbst für die Brandschutzunterweisung sorgen könne. Hierdurch könne Geld gespart werden. Außerdem würden die Dienstausfälle von den Kommunen bezahlt, wodurch keine zusätzlichen Kosten für die Arbeitgeber entstünden. »Wir von der Feuerwehr sind zu jeder Hilfe bereit. Mit diesem Projekt können auch die Betriebe ihr gemeinnütziges Engagement in der Region zeigen», so Hennemuth. Ebenso würden Versicherungen Prämien für Übungen im eigenen Unternehmen vergeben.

Hinter dem Wettbewerb »Feuerwehr der Zukunft« stehen die Stadtwerke Gießen und der Kreisfeuerwehrverband.

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Bericht und Bild aus dem Onlineportal der Gießener Allgemeine vom 18.10.2014
(© Bericht und Foto:jsp)